
Boone Hall Plantation
Dienstag, 15. April 2008 0:47Die Werktage hinter uns gelassen, hieß es am Samstag dann der Besuch einer nahgelegenen Plantage mit dem International Club. Der Weg dort hin kostete uns lediglich 15 Minuten unseres Lebens mit dem Auto, im Vergleich zur Gründungszeit der Plantage, musste man dafür 6 Stunden einplanen, um von Downtown Charleston das Anwesen zu erreichen. Die Plantage, genannt Boome Hall, war einst eine der größten in der Gegend um Charleston und hatte ihre Blütezeit um 1800. Entstanden ist sie allerdings schon früher als Wohnsitz einer englischen Familie, die damals günstig Land in der neuen Welt kaufen konnte. Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde sie dann an einen kanadischen Botschafter verkauft, der seinerseits Jahre später diese wiederum an Nachkömmlinge der Familie Rutledge, einer sehr bekannten und reichen Familien in der Gegend Charleston, überschrieben hat.
Aufgrund der damaligen englischen Steuer pro Zimmer, besitzte das Hauptgebäude lediglich 3 Zimmer pro Etage und jedes Zimmer hatte mehrere Zwecke. So war da eines, welches als Bibliothek, Aufenthalts- und Studierzimmer genutzt wurde. Ein weiteres als Esszimmer und ein dritten in welches wir allerdings keinen Einblick nehmen durfte. Witzigerweise wurde damals die Küche aus dem Haus outgesourct, wie es so schön Neudeutsch heißt. Das hatte den einfachen Grund, dass die Küche immer der Gefahr eines Feuers ausgesetzt war und jährlich 1-2Mal abbrannte. Gewöhnlich dauerte ein Essen damals immer um die 2 Stunden, na klar Fernseher, Computer, Playstation & Co waren damals ja noch nicht erhältlich.
Das Hauptgebäude selbst erlebten wir als Führung und nach den beiden bereits erwähnten Räumen ging es weiter in einen Zubau, der alerdings erst wesentlich später angebaut worden ist. In diesem war wieder eine Art Wohnzimmer zu finden, aber auch einige Dokumente und Fotos an den Wänden. Ein Foto darunter war von Patrick Swayze und anderen Darstellern der einst beliebten Bürgerkriegsserie „Fackeln im Sturm“, wo seinerseits auch ein paar idyllische Südstaaten- und somit ProSklaverei-Szenen direkt in der Boone Hall Plantation gedreht wurden. Weiters bekamen wir die Info, dass dieses Gebäude eines der ersten in ganz South Carolina war, welches den Genuss von Elektrizität und somit elektrischem Licht genießen konnte.
Doch jetzt genug vom Gebäude, was war sonst noch zu finden auf dem Anwesen: Einige Sklavenhäuser, die zum Teil auch noch „möbliert“ waren. Möbel hießen in diesem Fall Holzbänke, Betten mit Seile als Matratze und weitere derartige rustikale Einrichtungsgegenstände. Außerdem konnten wir noch einem Vortrag beiwohnen, wo uns die Sklaverei etwas nähergebracht wurde. So, war man damals der Auffassung, dass Schwarze sehr gut in das subtropische Klima South Carolinas passten, da es sehr dem Klima ihres Heimatgebietes Westafrika ähnelt. Außerdem bringen sie einen natürlichen Schutz gegen die teils intensive Sonneneinstrahlung mit, nämlich ihre dunkle Hautfarbe. Last but not least war man der Ansicht, dass sie auch gute Farmer sind und sich im Anbau von Reis, Baumwolle etc. auskannten und demnach auch als derartige (unentgeltlich) eingesetzt wurden. Dadurch, dass die Sklaven keine Schulbildung bzw. Englischunterricht genießen durften, erarbeiteten sich eine eigenen Sprache, die man Gullah nennt und als Englisch mit westafrikanischen Einfluss gesehen werden kann. Das Ende des Vortrags bildete eine Geschichte eben in Gullah, die wir aber nur zum Teil verstanden und auch nicht übersetzt wurde.
Das schönste an der Plantage war allerdings eindeutig der Creek, der wie ein kleiner Stausee war und an dessen Ufer wir einige Zeit verbrachten, um ein paar schöne Schnappschüsse zu machen. Schlussendlich quälte uns dann so der Hunger, dass wir eine Kleinigkeit zu uns nahmen. Anschließend hatten wir die Möglichkeit entweder die Erdbeerfelder zu besichtigen – Andy schloss sich dieser Gruppe an – oder gleich den Heimweg anzutreten, welches ich bevorzugte, hatte ich doch ein Teammeeting am frühen Nachmittag angesetzt. Summesummarum war der Besuch der Plantage nicht einmal das Eintrittsgeld von nur $ 15,- wert, denn die erste Führung war äußerst lausig und auch der zweite Vortrag war recht lustlos. Das Anwesen selbst war nun auch nicht so mitreisend, denn im Grunde war es nur ein Haus. Das einzig Interessante bildeten die Sklavenhäuser, die leider allerdings großteils leer waren und als Sehenswürdigkeit wohl zu wenig aufweisen. Wenigstens war die Natur in Form von Bäumen und Creek wirklich schön anzusehen.
Abends nutzten wir dann die Gunst der Stunde, dass der International Club Autos gemietet hatte und genossen wiederum ein gemütliches Abendessen. Dieses Mal allerdings in der Nähe von Sullivan’s Island in einem Sea Food Restaurant namens Red’s. Die Atmosphäre war hier wirklich super, war das Lokal doch direkt am Pier und der Meereswind blies einem ins Gesicht. Das Essen pflichtete seinen Teil bei und so war es ein sehr schönes Ambiente, welches durch Gespräche mit den Internationals aus Frankreich, Deutschland, Italien, Slowakei, Polen, Italien und auch einem Amerikaner humorvoll abgerundet wurde.
Kurz vor dem Nachhausefahren, kam dann noch die spontane Idee einer kleinen Beachparty auf Folly Beach, welcher zwar nicht unmittelbar in der Nähe war, aber schöner als der lokale Strand galt. So, ging es um etwa 10 Uhr ab nach Folly Beach an den Strand, wo wir noch eine gute Stunde im Dunkeln dem Meeresrauschen zuhörten und wiederum jede Menge Spaß hatten. Wie jeder Tag hat auch dieser sein Ende gefunden und wir fielen irgendwann doch recht geschafft ins Bett.